Und dann war da noch….

…ein ganz normaler Tag im Leben der HSV Fussball AG

Die handelnden Personen (nicht aphabetisch):

Der Vorstandsvorsitzende: Dietmar Beiersdorfer genannt “Didi”

Der Aufsichtsratsvorsitzende: Karl Gernandt genannt “120%-Kuddel”

Der Mäzen: Klaus-Michael Kühne genannt “KlauMi”

Der Vorstand Marketing und Kommunikation: Joachim Hilke genannt “JoHi”

Der Vorstand für Fans und Sonstiges: Carl-Edgar Jarchow genannt “der Schweber”

Der neue Coach: Josef Zinnbauer genannt “Joe”

Der Mediendirektor: Jörn Wolf als “Jörni”

Desweiteren einige unwichtige Nebendarsteller sowie ein sichtlich verwirrter Journalist, der sich ein Leben ohne den HSV nicht vorstellen kann.

Wir schreiben den 15. September im Jahre des Herrn 2014

Es ist gegen 16.04 Uhr, als die Würfel gefallen sind. Im Hauptgebäude B des Bürokomplexes der Weltfirma Kühne&Nagel liegen diverse Vereinsvertreter zu Tisch und beraten bei Lachshäppchen und Rhabarber-Schorle, wie es mit dem Verein, halt, wie es mit der AG weitergehen soll. KlauMi hat wie immer keine Kosten gescheut.

“120%-Kuddel”: “Jungs, machen wir uns doch nichts vor, dieser graue Panther ist gescheitert. WCCLOWN (BCMOON., die Red) und Ich haben es bereits vor der Saison gesagt und wir hatten wie immer recht, der Vogel kann nichts. Er sieht zwar aus wie einer, aber er kann nichts. Wir müssen jetzt den Schnitt machen, sonst saufen wir ab. Apropos absaufen – Tommy, lass mal den Cognac stehen, es ist noch nicht 1800?

“Didi”: “Karl, ich weiß nicht. Vielleicht ja doch. Wer kann das so genau sagen? Und außerdem, wenn ich den jetzt kicke, nennt mich Hesse von der BILD gleich wieder Trainer-Killer. Darauf habe ich echt keinen Bock, ich bin sensibel”

“KlauMi”: (per Video zu geschaltet, weil keinen Bock, für so einen Mumpitz nach Hamburg zu fliegen), denkt sich: “Meine Fresse, was habe ich mir das bloß für einen Weichkäse geholt? Apropos Fresse, ich muss mal wieder zum Zahnklempner, das Nussknacker-Gebiss qietscht”

Dann KlauMi, für alle hörbar:”Mir reicht’s jetzt, der Typ fliegt. Kuddel, du machst das mit den Anwälten klar. Didi, du feuerst die Pfeife morgen früh und besorgst ne neue Pfeife. Tommy, du lässt meinen 150 Jahre alten Cognac in Ruhe. Kühne Ende”

Im Konferenzraum herrscht betretenes Schweigen. “120%-Kuddel nästelt an seiner Designer-Krawatte, aus “Didi’s” Drei-Tage-Bart wird binnen Sekundenfrist ein Vier-Tage-Bart, “JoHi” überlegt noch, wie er heil aus der Sache rauskommen kann.

“120%-Kuddel”: “Na gut, ihr habt den Chef gehört. Dann kaut mal auf und macht euch transparent. Ich habe noch andere Sachen zu tun als den ganzen Tag Fußball-Manager zu spielen”

“Didi”, Tommy und “JoHi” rufen ein Hansataxi, zum Glück hatte “JoHi”, der Fuchs, die passende App auf seinem HSV-Smartphone.

Dienstag, 16. September im Jahre des Herrn 2014. Imtech-Arena, 8.27 Uhr

Nach einer schlaflosen Nacht sitzt “Didi” in seinem Vorstandsbüro (welches vorher das Vorstandsbüro “des Schwebers” war) und malträtiert seine ohnehin schon arg mitgenommenen Fingernägel. Plötzlich nimmt er aus dem Augenwinkel eine Bewegung war und erkennt “den Schweber”, der an der offenen Bürotür vorbeizuschweben droht. Dann die Wende, der Schweber hält inne, guckt leicht verwirrt in “Didi’s” heilige Halle und legt die Stirn in Falten (macht er oft)

“Der Schweber”:” Junger Mann, was machen sie eigentlich in meinem Büro? Und überhaupt, wollen sie sich nicht mal eine vernünftige Frisur gönnen? Kommen sie her, ich geben ihnen 20 Euro, in der Schanze kriegt man dafür schon was Vernünftiges”

“Der Schweber” greift in die Innentasche seines dunkelblauen Zweireihers und zaubert einen Schein hervor.

“Didi”: “Carl, wie oft denn noch? Das ist jetzt mein Schuppen hier, du bist raus. Naja, jedenfalls fast raus. Sei so gut und ruf bei Liebnau oder einem der Clowns an, zur Not auch bei der dicken Dwenger und frag, ob sie nicht zurückkommen wollen. Und wenn sie nicht wollen, sollen sie mich lecken, wo ich hübsch bin. Aber tu mir einen Gefallen und geh mir nicht auf’n Stick. Ich bin im Stress”

“Der Schweber” ist schockiert, solche Töne in seinem Büro. Aber gut.

“Der Schweber denkt bei sich”: “Na gut, dann nicht. Lauf halt weiterhin rum wie ein Yeti auf Schmerzmitteln. Mir doch egal. Ich glaube, ich schwebe mal kurz zu “JoHi”, der hatte neulich in der Raute etwas von einer neuen scharfen Praktikantin erzählt, die ich mir mal angucken sollte. Vorher schwebe ich aber noch zur Toilette, diese verdammte Blase”.

Der Schweber schwebt den Gang runter.

Während “der Schweber” vor dem Urinal schwebt, wagt er einen Blick nach draußen, man erkennt Parkplatz weiß. Dort kann “der Schweber” einen verwirrt-wirkenden älteren Herren erkennen, dessen fragwürdige Igel-Frise aussieht, als hätte ihm jemand eine tote Ratte auf den Schädel genagelt und ihm anschließend einen Fön in die Badewanne geworfen. Der Verwirrte scheint in irgendein Instrument zu reden, es könnte sich um einen Kugelschreiber handeln. Da der ältere Herr aber vollkommen allein auf dem Parkplatz zu sein scheint, kann sich “der Schweber” nicht erklären, mit wem oder was der Patient dort überhaupt quatscht. “Der Schweber” öffnet vorsichtig das Klofenster und bekommt gerade noch mit, wie Igelfrisur nahezu hysterisch immer wieder das Wort “Europapokal, Europapokal” in den Kugelschreiber kreischt. Während “der Schweber” noch irritiert den Hosenstall schließt, überlegt er, wo er den Brüllfrosch schon mal gesehen haben könnte. “Kneipe? Therapiegruppe? Lionsclub? Ach, scheiß drauf, ich schwebe jetzt zu “JoHi”, der hat immer Zeit.

Zurück ins Büro des Vorstandsvorsitzenden der HSV Fussball AG. “Didi” ist seit dem Besuch des “Schwebers” nicht wirklich weitergekommen. Schließlich nimmt er allen Mut zusammen, greift zum iPhone (5S, 32 GB) und schreibt dem Noch-Übungsleiter eine sms. Telefonieren tut man in einem hochmodernen Unternehmen wie dem HSV nicht mehr, dass hat Kommunikations-Gott “JoHi” den Führungskräfte eingehämmert. “Wer führt, der simst”.

Die Nachrichten-Übermittlung scheint geklappt zu haben, denn 10 Minuten später steht Ersatz-Richard Gere mit Raubvogelnase, Mirko, in seinem Büro.

“Didi”: “Mirko, setz dich, wir müssen reden”

Mirko setzt sich, zupft sein rotes HSV-Shirt mit den MS-Lettern zurecht und guckt gespannt.

“Didi”: “Mirko, ich mache Schluss. Ich meinen, wir machen Schluss. Ich meine, wir machen mit dir Schluss. Ach Kacke, Mirko, du bist gefeuert”.

“Raubvogelnase”: “Wieso das denn jetzt? Nur wegen der Hannover-Scheiße. Didi, du hattest doch gesagt, ich soll die ganzen Neuen bringen. Jetzt bringe ich sie und ihr dreht mir einen Strick draus. Das ist nicht fair, das finde ich jetzt total fies von dir”

Didi”: “Mirko, ist doch nicht meine Entscheidung, “KlauMi” hat micht gezwungen, ehrlich. Ich wollte mit dir weitermachen, aber “KlauMi” und “120%-Kuddel” zusammen sind echt knallhart und Tommy hat auch nur die Lachshäppchen inhaliert und mir nicht geholfen. “JoHi” hatte zumindest noch die App von Hansataxi,aber ansonsten war ich total allein. Tut mir leid, Mirko”

Raubvogelnase wischt sich die Tränen der Enttäuschung aus den Augen, schneuzt herzhaft in sein HSV-Trainingshirt (“Den Scheißlappen brauche ich jetzt ja nicht mehr”) und verlässt zitternd das Büro des großen Vorsitzenden

“Didi” denkt: “Puh, das ist ja nochmal gut gegangen. Zum Glück hat er nicht versucht, mich zu hauen. Das hat so ein verrückter Russe in St. Petersburg mal versucht, hinterher hatte ich 6 Wochen Polizeischutz, das braucht kein Mensch. Die Frage ist nur: Was jetzt? Irgendeine Knalltüte muss den Haufen ja beaufsichtigen und “120%-Kuddel” frage ich nicht. Der meint zwar, er könne über’s Wasser gehen, kann er aber gar nicht. Dreck, was jetzt ?”

Plötzlich und wie aus heiterem Himmel kommt “Didi” ein wichtiger Gedanke. Über Kurzwahltaste #6 kontaktiert er flugs den zweitwichtigsten Mann im Verein, “Jörni”.

“Didi”: “Dicker, du musst mir heute die Pressegeier vom Hals halten, die brauche ich heute wie Kacke am Stiefel. Nichts, ich will nichts hören. Keine BILD, kein Seuchenblatt, keine Mopo. Nicht mal den Sportchef vom Alsterradio, keinen. Kapiert?”

“Jörni”: (gewohnt souverän und durch absolut nichts aus der Ruhe zu bringen): “Dicker, weniger als Null Problemo. Die Spacken von der Presse habe ich im Sack und die bwußtlosen Blogger raffen eh nichts, die denken von hier bis zur Wand. Außerdem liest die ohnehin keiner. Macht dir keinen Kopf, Dicker. Schöne Stunden…”

Derweil sitzt “120%-Kuddel” in seinem 153 qm-Büro in der Hafencity. Zur Abwechslung hat er den Maßanzug gegen einen blauen Trainings-Anzug aus dem HSV-Shop getauscht, die 19 mm Alustollen unter den pinken Adidas-Predatorbuffern klappern auf dem Parkett und hinterlassen ätzende Spuren. All das bekommt “120%-Kuddel” an diesem Spätsommer-Dienstag nicht mit, denn die Fußball-Endorphine rauschen durch sein sonst so kontolliertes Blut. Kuddel hat einen Plan, Kuddel möchte Trainer werden.

Plötzlich und völlig unerwartet erscheint das gestrenge Gesicht mit dem wohlbekannten Nussknacker-Gebiss auf dem Flatscreen an der Ostwand des Büros, “Kuddel” hasst das.

“KlauMi”: “Karl, was soll dieser alberne Aufzug, Faschingszeit ist vorbei. Bist du vom Hahn gehackt oder wolltest du joggen gehen? Und was sollen die Scheiß-Stollen auf meinem Nobelparkett, bist du voll? Den Schaden ziehe ich dir vom Oktober-Gehalt ab, damit das mal klar ist. Und jetzt wirf dich in den Armani-Lappen, bevor ich durchdrehe”

“120%-Kuddel”: “Aber Chef, wir haben doch jetzt keinen Trainer mehr. Und ich dachte, was der Raubvogel kann, kann ich schon lange. Chef, sie sagen doch immer, dass ich ihr Bester bin. Chef, lassen sie mich doch Trainer werden, bitte bitte. Ich möchte auch mal vor 55.000 in die Arena marschieren und an der Seitenlinie den Klopp-Kasper spielen. Außerdem sehe ich mich doch so gern im Fernsehen. Chef bitte”

KlauMi”: “Karl, du hast ‘n Sprung in der Schüssel. Du bist kein Trainer, du bist Banker. Und was noch viel wichtiger ist: Du bist mein Sklave. Dein Arsch gehört mir und wenn du das nicht innerhalb der nächsten 2 Minuten begreifst, wohnst du nächste Woche unter der Lombardsbrücke. Kühne Ende”

Das gestrenge Gesicht verschwindet mit einem “Puff” vom Bildschirm und es erscheint der normale Anblick eines Panorambildes vom Zürichsee. Dieses Bild hängt in gedruckter Form übrigens in jedem der 2.284 Büros des Hauses.

“120%-Kuddel artmet tief durch. Eigentlich,so denkt sich der Manager des Jahres 2017 und der Aufsichtsratsvorsitzende des Jahres 2019, bin ich doch ganz gut weggekommen. Nur zu ungern erinnert sich Kuddel daran, wie KlauMi normalerweise bei Nichtgefallen abstraft. Ein mittelharter Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf tut zwar nicht besonders weh, aber er demütigt kolossal. KlauMi hat keine Kinder und denkt, dass Erziehung so geht. Traurig öffnet Kuddel den Reißverschluss der blauen adidas-Trainingsjacke….

Zurück in “Didi’s” Büro, der Herr aller Reußen ist noch nicht weitergekommen.

“Didi” denkt: “Ach verdammte Axt, was mache ich denn jetzt? Richard Gere ist gerade vom Hof geheizt und hat dabei seinen Trainingsanzug überfahren. Die Co-Trainer und den Torwart-Trainer hat er gleich mitgenommen, der Folter-Kroate steht angeblich bereits wieder vor dem P1 und läßt Mario Götze nicht rein. Was mache ich bloß?”

Derweil sitzen “der Schweber” und “JoHi” zusammen in der Raute und teilen sich eine Apfelschorle.

“Der Schweber”: “JoHi, irgendwas stimmt hier nicht. In meinem Büro turnt so ein Alt-Hippie rum, den insolventen Bestattungs-Unternehmer (O. Scheel, die Red.) habe ich seit Wochen nicht gesehen, seit Japan-Jürgen nicht mehr hier ist, gibt’s in der Raute keinen grünen Tee mehr und auf dem Parkplatz turnen Renten-Zombies rum und brüllen in Kugelschreiber. Früher war mehr Lametta, oder”

“JoHi”: “Dicker, mach dir keinen Kopf, wir Beide überstehen auch das. Bis 2018 kriegen die uns hier nicht raus. Bis dahin bist du Rentner und ich habe ausgesorgt. Wir hängen uns einfach an die nächste Initiative und jubeln zur anderen Seite. Ist beim letzten Mal keinem aufgefallen und wird auch diesmal keinem auffallen. Dicker, die Leute sind strunzdoof,mach dir keine Sorgen”

Sichtlich beruhigt genehmigt sich “der Schweber” noch einen Hub aus der gemeinsamen Apfelschorle, per Strohhalm natürlich.

“Didi’s” Büro, mittlerweile Epizentrum und Krisenzentrale in einem.

“Didi” denkt: “Jetzt hab ich’s. Ich frage diese Wurst von der U96 oder U 23 oder wie das heißt. Der hat dieses Jahr noch nicht verloren, den finden alle bestimmt geil. Außerdem hat das sowas modernes, Kloppo-Tuchel-mäßiges, wenn man einen eigenen Vogel hochzieht. Muss nicht klappen, aber erstmal ist Ruhe und ich kann vielleicht wieder ohne Probleme auf’s Klo”

“Didi” greift zum iPhone (5S, 32 MB) und schreibt diesem Zinngruber eine sms. “Joe, komm um 14.15 Uhr in mein Büro, wir müssen reden. Und keine Ausreden. Dein Didi”. Eines hat “Didi” gelernt (von JoHi natürlich): Wer führt, der simst

Zur gleichen Zeit macht ein Samsung-Smartphone im Kabinentakt in Hamburg-Ochsenzoll eigentümliche Geräusche. Für ungeübte Ohren klingt es wie die Kombination aus “Resi, I hol’ di mit meim Traktor ab” und “Ich habe Bock, Bock, Bock”. Leider geht niemand ran und niemand kann die sms lesen, die Führungs-Didi aus dem fernen Volkspark abfeuerte. Denn “Joe” hatte sein Smartphone in der Trainerkabine liegenlassen und war auf dem Weg nach Braunschweig, um den nächsten Gegner der U96 oder U23 oder wie das heißt, zu beoabachten. Merke: “Wer führt, der simst”.

Epilog: Auf Parkplatz Weiß an der Imtech-Arena im fernen Volkspark wandelt immer noch ein sichtlich verwirrter älterer Herr mit fragwürdiger Frisur herum und kreischt “Europapokal, Europapokal” in einen Kugelschreiber. Nur ist jetzt niemand mehr da, der ihn hören kann, denn “der Schweber” sitzt auf dem Podium im leeren Presseraum und wartet auf die Frage der Journalisten, die nicht da sind.

Natürlich ist das alles nur Satire und niiiiiiemals so passiert.

Fortsetzung folgt (vielleicht)

Und dann war da noch….

 

…..die vorletzte Brandrede von Ex-Sportchef Oliver “Presse-Olli” Kreuzer, im Anschluss an ein völlig mißlungenes Testspiel im tiefen Thüringen

 

 

P.S. Eine Frage hätte ich da noch. Was ist eigentlich aus diesem Stefan de Vrij geworden? Hat Lazio Rom den Mann bereits weiterverkauft? Sitzt der hinterhältige Gerüchte-Blogger in Santa Fu eine mehrjährige Haftstrafe ab oder hatte er gar die Facebook-Freundschaftsanfrage von “Herr Scholz” mit Nein beantwortet? Man weiß es nicht, aber da kommt bestimmt bald Aufklärung. Gaaaaanz bestimmt :-)

 

 

 

 

Wieviel Schuld trägt KMK?

Panik, Endzeit, Katastrophe. Hunde und Katzen leben miteinander, Massenhysterie.

Der HSV ist nach dem Hannover-Spiel endlich wieder da angekommen, wo er nach Meinung zahlreicher Experten (den lieben Tobias Holtkamp von Transfermarkt.de nehme ich an dieser Stelle ganz bewußt aus) stehen soll und stehen muss, am unteren Ende der Nahrungskette Bundesliga.

Was wurde nicht alles gefordert, was wurde nicht alles verlangt? Was das Höchstmaß an Forderungen betrifft, sichert sich Mediendirektor Karl Gernandt einen der vordersten Plätze, er forderte:

“Die Neuen sollen eine Chance bekommen. Es soll ein Maximum an mutigen Entscheidungen getroffen werden“, sagte Gernandt der “Bild”-Zeitung: “Wir wollen sehen, ob das Team zu großen Leistungen in der Lage ist.”

Nun denn, an mutigen Entscheidungen hat es am Sonntag nicht gemangelt, betrachtet man die Startaufstellung in Hannover. Trainer Slomka änderte die Mannschaft gegenüber der Vorwoche auf insgesamt sieben! Positionen inkl. Torhüter, alle “Neuen” begannen.

Das Resultat ist bekannt, eine nicht eingespielte Mannschaft mit einer unsicheren (weil eben nicht eingespielten Abwehr) geriet früh ins Hintertreffen und wer ein ganz klein wenig Ahnung vom Fußball hat, den dürfte dies nicht sonderlich verwundert haben. Slomka hat also “ein Maximum an mutigen Entscheidungen” getroffen und wird jetzt nach diesen Entscheidungen angezählt. Zu recht?

Ich bin der Meinung, dass es einfach zu kurz gesprungen ist, wenn man jetzt den Trainer als alleinigen Verantwortlichen ausmachen möchte, denn in der Tat hätte man den Umstand, dass man am dritten Spieltag eine komplett uneingespielte Truppe auf dem Platz hatte, dadurch ausschließen können, dass der eine oder andere Protagonist sich deutlich uneitler gezeigt hätte und anstatt Forderungen zu stellen, seinen eigenen Ankündigungen nachgekommen wäre.

Mirko Slomka wird aktuell vorgeworfen, er hätte die Mannschaft trotz der längsten Vorbereitung der Vereinsgeschichte konzeptionell nicht nach vorn gebracht, doch dies ist leider nur die halbe Wahrheit.

Der HSV begann mit der “Mutter aller Vorbereitungen” am 18.06.2014,  an diesem Tag war von den neu verpflichteten Spielern gerade einmal einer da: Zoltan Stieber.

Die Verpflichtung des zuvor ausgeliehenen Pierre-Michel Lasogga dauerte bis zum 04.07. und konnte auch nur aus einem Grund zu diesem Zeitpunkt realisiert werden, weil der Wechsel von Therapie-Patient Hakan Calhanolgu zu Bayer 04 Leverkusen bereits beschlossene Sache war und am 17.07. finalisiert wurde. Lasogga verletzte sich dann im anschließenden Trainingslager und verpasste nahezu die gesamte Vorbereitung.

http://www.hsv.de/saison/meldungen-saison/bundesliga/2014/mai/sommerfahrplan/

Der nächste Spieler, der offiziell vorgestellt wurde, war Valon Behrami vom SSC Neapel und wir schrieben den 03.08.2014, also nahezu sieben Wochen!!!! nach Trainingsauftakt! Dies war zu diesem Zeitpunkt möglich, weil sich Gönner/Anteilseigner/Mäzen/HSV-Fan Klaus-Michael Kühne endlich hatte weichkochen lassen und einen erneuten Kredit (nicht etwa eine Anschubfinanzierung, wie er angekündigt hatte) zur Verfügung stellte.

http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/hamburger-sv/article130868515/Milliardaer-spendiert-dem-HSV-Nationalspieler-Mueller.html

Die nächsten Spieler, die dann kleckerweise in Hamburg das Training aufnahmen, waren Nicolai Müller (06.08., kam angeschlagen und verletzte sich sofort), Matthias Ostrzolek (12.08., trainierte mangelhaft), Clèber Reis (27.08., kam aus einer anderen Liga), Lewis Holtby (01.09., konnte sich zuvor in Tottenham nicht durchsetzen) und Julien Green (01.09., hatte bei Bayern noch kein Bundesligaspiel absolviert)

Das “Maximum an mutigen Entscheidungen” entschied Mirko Slomka in dem Moment, in dem er auf Druck der Vereinsspitze versuchte, aus Spielern, die nahezu keine Vorbereitung als Mannschaft hatte, ein siegfähiges Team zu bilden.

Damit man mich an dieser Stelle nicht falsch versteht, ich möchte den 77-jährigen Kühne nicht als Allein-Schuldigen an der aktuellen Situation verkaufen, denn ohne ihn wären die meisten Transfers nicht zu realisieren gewesen. Die Frage, die ich trotzdem stellen möchte, lautet:

Warum hat Kühne seine “Starthilfe” nicht mit Beginn der Tätigkeit Beiersdorfers am 09.07. zur Verfügung gestellt, sondern sich einen weiteren Monat bitten lassen? Denn dass er etwas machen würde, war wohl bereits am 25.05., dem Tag der entscheidenden Mitgliederversammlung klar.

Oder um es einmal zusammenzufassen: Das Transferfenster in der Bundesliga öffnete sich am 01.07., am 09.07. wurde Beiersdorfer inthronisiert und am 04.08. kam Kühne mit der Kohle rüber. Warum?  

http://www.transfermarkt.de/statistik/transferfenster

Wenn man doch weiß, dass man “helfen” will, warum wartet man dann bis drei Wochen vor Toreschluss und gibt dem Trainer kaum noch Zeit, die Neuen zu integrieren und eine halbwegs eingespielte Truppe zu bilden?

Betrachtet man die Situation aus dieser Perspektive, so muss man erkennen, dass die längste Vorbereitung aller Zeiten nichts als heiße Luft war, weil die Spieler, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, 80% dieser Vorbereitung gar nicht mitmachen konnten.

Wieviel  wäre zu verhindern gewesen, hätte Kühne rechtzeitig die Schatulle geöffnet?

Vielleicht einiges, aber auch nicht alles. Denn eines sollten sowohl die Spieler, die die komplette Vorbereitung mitgemacht haben, aber auch die Neuen, die bei ihren alten Vereinen die Vorbereitung absolviert hatten, können: Laufen. Scheinbar können sie es nicht, denn die aktuellen Tracking-Daten zeigen ungeschminkt auf, dass der HSV in jedem seiner drei Saison-Spiele dem jeweiligen Gegner unterlegen war. Was dies betrifft, scheint sich im Vergleich zur Vorsaison nicht viel geändert zu haben und das wiederum muss sich Slomka anlasten lassen.

In Hannover lief der HSV erneut nur 111, 4 km (Hannover96: 113 km). Zum Vergleich, die Daten der Spiele Gladbach gegen Schalke (beide Teams 119,8 km)  und Dortmund (119,8km) gegen den SC Freiburg (118,3 km).

Wer nun denkt, dass dies eine einmalige Sache wäre, der irrt. Auch im Spiel gegen Paderborn (116,7 km) war der HSV unterlegen (112,2 km).

http://www.bundesliga.de/de/liga/matches/2014/spieltag-03/153138/hannover-vs-hamburg/analyse.php

http://www.bundesliga.de/de/liga/matches/2014/spieltag-03/153135/moenchengladbach-vs-schalke/analyse.php

http://www.bundesliga.de/de/liga/matches/2014/spieltag-03/153132/dortmund-vs-freiburg/analyse.php

Vieles ist mit nicht bekannten Laufwegen und fehlender Abstimmung zu erklären, aber eben nicht alles. Der Satz “auch wenn es nicht läuft, kann man zumindest laufen” ist nicht komplett aus der Luft gegriffen und Slomka wird sich fragen lassen müssen, warum der HSV läuferisch schon wieder hinterherrennt.

Fazit: Der HSV macht sich nach wie vor seine Probleme selbst. Jeder labert in irgendein Mikrofon und jeder meint, den Stein der Weisen zu besitzen. Kühne ist kein Sponsor oder Mäzen und er wird es nie werden. Kühne ist ein Investor und als solcher wird er sich immer wieder zu Wort melden. Wer nun denkt, dass dies sein gutes Recht ist, der muss auch weiterhin mit einem HSV leben, der nicht zu Ruhe kommen wird. Und das liegt ausnahmsweise nicht an den bösen Medien, nein diese Probleme sind hausgemacht.